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Universität des Saarlandes (Univ.-Prof. Dr. Stefan Strohmeier)

Prof. Dr. Strohmeier Univ.-Prof. Dr. Stefan Strohmeier ist Inhaber des Lehrstuhls für Management-Informationssysteme an der Universität des Saarlandes.

Der Lehrstuhl für Management-Informationssysteme forscht an der Schnittstelle zwischen Human Resource Management und Informationstechnik. Konkret beschäftigen wir uns mit der theoretischen Erklärung, der empirischen Beschreibung und der praktischen Gestaltung von Planung, Bereitstellung, Implementation, Anwendung und Betrieb von Informationssystemen im Human Resource Management.


Interview mit Univ.-Prof. Dr. S. Strohmeier

Frage: Haben Sie bereits im Vorfeld des Projekts Remomedia in anderen Forschungsvorhaben Erkenntnisse im Bereich des Mobile Recruiting sammeln können – wie schätzen Sie die Bedeutung dieses Themenfelds aus der wissenschaftlichen Perspektive ein?

Antwort: Wir haben Forschung im Bereich e-Recruiting durchgeführt aber keine konkrete M-Recruiting Forschung. Aktuell zeigt speziell die Forschung im Bereich „Akzeptanz von M-Commerce“ viele Anknüpfungspunkte und Überlappung zu unserem Projekt. Im Bereich e-HRM formiert sich das Forschungsfeld dagegen erst, konkrete Arbeiten im Bereich m-HRM sind mir nicht bekannt. Insbesondere mit der Ablösung unkomfortabler WAP-Endgeräte durch eine neue Generation mobiler Endgeräte wie etwa das „I-Phone“ sehe ich wachsende Potentiale im Bereich „m-Recruiting“ aber auch „m-Learning“ etc. Entsprechend existiert umfassender Forschungsbedarf im Bereich gestaltungsorientierter Forschung und evaluierender Begleitforschung.

Ein Aspekt, der mir in diesem Zusammenhang besonders wichtig erscheint, ist die Abgrenzung von „mobile“ und „non-mobile“ und das Herausarbeiten der funktionalen (nicht technischen) Spezifika des m-Recruiting für die Personalarbeit, da die Grenze zwischen mobilen und nicht-mobilen Diensten m.E. zunehmend verwischen wird, und teils nur noch vom Endgerät abhängen wird.

Frage: Welche Rolle spielt bei der Realisierung von Mobile Recruiting-Vorhaben die systemtechnische Anbindung bzw. Integration dieser Technologien in vorhandene Management Informationssysteme im Human Resources-Bereich?

Antwort: Gegeben, dass etwa mit Konzepten wie Talent Relationsship Management, der sogenannte analytische Aspekt in der Rekrutierung (Business Intelligence, Recruiting Data Warehouse) an Bedeutung gewinnt, ist die Integration, zumindest der m-Recruiting Daten, in entscheidungsunterstützende Systeme essentiell. Neben konventionellen Analysen wie „Prozess-Tracking“ oder Bewerberanalyse sind auch neue Potenziale des M-Recruiting wie etwa Web Mining o.a. zu prüfen. Nur der Vollständigkeit halber: M-Recruiting sollte m.E. natürlich auch in die administrativen Systeme des Personalbereichs eingebunden sein.

Frage: Was macht aus Ihrer Perspektive das Recruiting mit Mobile Media-Technologien gerade im Hinblick auf jüngere Bewerberzielgruppen für Unternehmen so interessant?

Antwort: Die hohe Akzeptanz, Wertschätzung und Verbreitung mobiler Technologien bei dieser Zielgruppe. Das ist allerdings aber auch konkreter zu untersuchen, Aspekte wie etwa die „Öffentlichkeit“ der Anwendung, d.h. reduzierte Diskretion etwa beim Bewerben oder Ansprechen von Bewerbern etc.

Frage: Wird Mobile Recruiting aus Ihrer Sicht auch zu neuen Formen der Bewerberansprache sowie der elektronisch unterstützten Bewerberinteraktion führen (z.B. Kontaktaufnahme per Video-Telefonie) – welche Herausforderungen sehen Sie diesbezüglich auf das Personalmanagement zukommen?

Antwort: Ich gehe grundsätzlich von einer Intensivierung der Bewerberansprache durch die Unternehmen aus und glaube, dass nach wie vor ein Portfolio an Kommunikationskanälen dazu verwendet werden wir („Multi Channel“). Welche Rolle die Kanäle des „M“-Bereichs spielen werden und welche hierbei wiederum besonders wichtig sind, vermag ich gegenwärtig nicht zu sagen. Experimentelle Akzeptanzforschung mag hierüber erste Aufschlüsse geben.

Frage: Welche Erwartungen stellen Sie an das Projekt? Welche Bereiche sind für Sie in diesem Forschungsvorhaben von besonderem Interesse und welche Expertise bringen Sie in das Netzwerk der Projektpartner ein?

Antwort: Ich stelle mir gegenwärtig vor, dass ich insbesondere die theoretische und empirische „Begleitforschung“ des Projektes verantworte. Dies stellt vielleicht auch meinen „komparativen Vorteil“ dar, da ich die theoretisch gestützte empirische Forschung im einschlägigen Segment gut kenne. Mit Blick auf mögliche Schnittstelle habe ich mich ebenso mit konventionellen Recruiting Systemen, BI-Systemen u.a. befasst und besitze Kenntnisse im Bereich SAP HR und BW.

Stand: Oktober 2008